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Ein wenig Hintergrund zur Philosophie des Yoga und der persönlichen Veränderung, die wir durch Yoga erreichen können.
Veränderung braucht einen Weg - Vinyasa Krama
1. Definition Das Wachstum, das wir durch die Yoga-Praxis anstreben, braucht einen bewussten Weg. Wir gehen diesen Weg in intelligent aufeinander bezogenen Schritten. In Sanskrit heißt dies:
VI (die besondere) NYASA (Anordnung) KRAMA (Schritte)
Also: durch sinnvoll aufeinander aufgebaute Übungen hin zu positiver Veränderung, zu mehr Weite, Zufriedenheit, Leichtigkeit und Glück.
2. Wichtige Fragen auf diesem Weg:
- Wo stehe ich jetzt?
- Wohin will ich?
- Was bringt mich in die gewünschte Richtung?
- Wie verhindere ich neue Probleme auf meinem Weg?
- Wie bleibe ich offen und flexibel?
3. Grundsätze des Vinyasa Krama Es gilt, eine Verbindung herzustellen zwischen der Ausgangssituation der Yoga-Übenden und der besonderen Anforderung in der Übungspraxis. Bei jedem Schritt kann ich prüfen, ob Körper, Atem und Geist für den nächsten Schritt bereit sind.
Diese Prüfung erfolgt anhand der folgenden Prinzipien:
- Qualität von Sthira und Sukha, von Stabilität und Leichtigkeit in den Körperübungen, den Asana (sthirasukhamasanam, Yogasutra des Patanjali Kapitel 2.46),
- Qualität von Dirgha Suksma im Pranayama, den Atemübungen, ein langer und gleichförmiger Atem (YS 2.50) und der
- Qualität von völliger Ausgerichtetheit des Geistes (Dharana, Dyanam, Samadhi, Samyamah in der Meditation)
a) Purvanga, die Vorbereitung:
In der Vorbereitung eines Asana kann ich ganz aktuell Aufschluss bekommen über den Zustand meines Körpers und meines Atems: Sind mein Körper und mein Geist im Moment in der Lage, auf ein bestimmtes Asana hinzuarbeiten?
Ein Asana wie das dynamisch geübte Vajrasana kann uns Klarheit über den Zustand und die Möglichkeiten unsers Atems geben. Aufgrund der so gewonnenen Informationen können wir das Ziel für unser Pranayama festlegen. Gleichzeitig bereitet das Asana unser Pranayama vor.
Ein entsprechendes Pranayama klärt nicht nur den Geist für die folgende Meditation. Es kann auch Auskunft über meine momentane Konzentrationsfähigkeit für die Meditation geben, die Ausrichtungsfähigkeit des Geistes für die Meditation vorbereiten. Es hilft zu entscheiden, in Pranayama fortzufahren oder in die Meditationsübung einzusteigen.
Und dennoch kann ich auch gut vorbeireitet in der Meditation bemerken, dass der Geist wieder unruhiger wird und die Ausrichtung schwierig wird. So kann ich in jeder Phase des Übens Rückmeldung über den Zustand meines Geistes bekommen.
Jedes Asana kann dazu dienen, andere Asana vorzubereiten. Wie wir ein Asana im Yoga-Kurs verwenden, hängt davon ab, welche Funktion es erfüllen soll und auf welche Weise es dann geübt wird.
b) Uttaranga – der Ausgleich Jedes Asana bedarf eines Ausgleichs. Fungiert ein Asana als Ausgleich zu einem anderen, dient es als Pratikryasana, als Ausgleichsübung.
c) Wir unterscheiden zwischen Vishesha und Samanya in der Reihe der Asana
Vishesha: sind alle Asana von besonderem und ungewöhnlichem Charakter im Vergleich zu Alltagsbewegungen in Beziehung zu besonderen Anforderungen an den Körper.
Samanya: Asana, die einen gewöhnlichen Charakter haben, d.h. unseren Alltagsbewegungen. Sie können ohne eine körperliche Vorbereitung oder einen Ausgleich geübt werden.
4. Offen und flexibel bleiben, nicht neue Spannung erzeugen: Wir erkennen in langer Yogapraxis manches Mal, dass wir das Ziel, mit dem wir die Yogapraxis begannen, verändern müssen. Wir müssen unser Ziel immer modifizieren, d.h. unserer ganz aktuellen Situation anpassen.
Zusammenfassend bedeutet Vinyasa Krama für den Yogaweg:
- Ich bleibe sicher mit der Ausrichtung auf mein Ziel verbunden und passe immer neu die Ziele an den aktuellen Stand von Körper, Atem und Geist an.
- Ich berücksichtige dabei jeweils die momentane Lebenssituation und ihre Anforderungen an mich.
- Damit diese Aufgabe gelingt, empfiehlt es sich, von der professionellen Anleitung und Unterstützung eines/einer Yogalehrers/in zu profitieren.
- Die Fähigkeit, auf die individuellen körperlichen und seelischen Gegebenheiten eines Schülers oder einer Schülerin einzugehen, ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale einer Yogalehrerin / eines Yogalehrers.
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